Mediennetzwerk Pontifex kritisiert den Umgang mit Münchner Missbrauchsgutachten scharf

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Pontifex fordert eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Missbrauchsgutachten statt pauschaler Verurteilungen

Das Mediennetzwerk Pontifex kritisiert den Umgang der Öffentlichkeit und kirchlicher Würdenträger in Deutschland mit dem emeritierten Papst Benedikt in Folge der Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachtens scharf. Es ist notwendig, dass die katholische Kirche in Deutschland sexuellen Missbrauch transparent aufklärt und alles in ihrer Macht stehende tut, um Betroffene zu schützen und sexuellen Missbrauch jetzt und in Zukunft bestmöglich zu verhindern. Die Reduzierung des Gutachtens auf Papst Benedikt wird diesen Anliegen nicht nur nicht gerecht, sie schadet und verhöhnt die Opfer.

Als junge Katholiken sind wir dankbar, dass es sowohl in der katholischen Kirche als auch in der Gesellschaft insgesamt einen dringend notwendigen Bewusstseinswandel gab und gibt, der den Schutz von sexuellem Missbrauch Betroffener in den Fokus rückt. Die Fehler, die Benedikt XVI. im Gutachten vorgeworfen werden, sind unbewiesen und wurden heute erneut überzeugend von ihm zurückgewiesen. Seine Glaubwürdigkeit nach dem heutigen Brief in Zweifel zu ziehen, verletzt jede Redlichkeit. Der deutsche Papst hat während seiner vielen Ämter, in denen er für die Kirche Verantwortung übernommen hat, gerade in der Missbrauchsaufklärung Großes geleistet – unter anderem, indem er hunderte Priester, die Missbrauchstäter waren, aus dem Kirchendienst entfernte und bestrafte, das Kirchenrecht dahingehend reformierte und ein Bewusstsein dafür schuf, dass der Ruf der Kirche nicht auf Kosten der Betroffenen geschützt werden darf. Wir sind Papst Benedikt dankbar für seinen heutigen Brief, der seinen Schmerz über die Wunden der Kirche und seine Scham über die begangenen Verbrechen deutlich zeigt. Wir fordern von der Öffentlichkeit und in besonderer Weise von seinen bischöflichen Mitbrüdern, dass sie sich der medialen Vorverurteilung nicht anschließen. Es bedarf eines differenzierten und konstruktiven Umgangs mit dem Gutachten, um die richtigen Lehren für die Zukunft zu ziehen. Die pauschale Verurteilung eines Mannes und der Vorwurf der vorsätzlichen Vertuschung sind schlicht falsch und nützen nur den wahren Tätern.

Damit die Missbrauchsgutachten in Deutschland die dringend notwendige Umkehr auslösen können, müssen vielmehr die Missstände in den deutschen Bistümern behoben werden. Dabei ist es ein Irrweg, Glaubenswahrheiten mit einem politischen Parteiprogramm zu verwechseln, das beliebig veränderbar ist. Die Kirche in Deutschland darf den Menschen nicht als gottes- und menschenferne, bürokratische Mega-Struktur gegenüberstehen. Sie braucht wieder ein Bewusstsein dafür, dass sie eine Gemeinschaft sein soll, in der jede und jeder einzelne, ob Bischof, Priester oder Laie, Christus in der Welt repräsentiert. Nur so kann sie die Welt von innen her verwandeln. Die Kirche ist in ihrem Kern keine weltliche Struktur, sie ist die Gemeinschaft derer, die Christus nachfolgen wollen. Nur im Bewusstsein dieser Identität bleibt sie die Kirche der Bedrängten und Verwundeten - eben die Kirche Christi.

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