Von Küken und Kindern

 

Von Lena Dehner

Im Zuge des heutigen Urteils des Bundesverwaltungsgerichts in dem das Schreddern von Küken weiterhin erlaubt bleibt, beschäftigt sich Deutschland intensiv mit der Frage, ab wann Küken-Embryos im Ei Schmerzen empfinden.

Jährlich werden in Deutschland rund 45 Millionen männlichen Küken geschreddert. In einer durchindustrialisierten Landwirtschaft haben sie keinerlei Nutzen, da sie keine Eier legen können und nicht genügend Fleisch ansetzen, um mit konventionellen Masthähnchen mithalten zu können. Tierschützer und Politiker unterschiedlicher Parteien fordern ein Ende des Tötens männlicher Küken und die Unterstützung der Entwicklung von Hühnerrassen, die gleichzeitig Eier legen und Fleisch ansetzen können oder aber die Fortentwicklung der Methoden zur Geschlechtsbestimmung im Brutei. Männliche Küken sollen dadurch gar nicht erst ausgebrütet werden. Jedoch ist fraglich, bis wann die Methode angewandt werden darf mit Blick auf das Schmerzempfinden der Embryonen.

Es ist gut, dass der Tod dieser Lebewesen, den wir durch unsere Lebensweise verursachen, in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Es wird uns vor Augen geführt, dass die Verschwendung in der wir leben Kosten hat. Wir haben erkannt, dass es Leben kostet und dass es Leid verursacht.

Womit sich Deutschland leider heute und auch an vielen anderen Tagen nicht beschäftigt hat ist die Frage, ab wann ein menschlicher Embryo im Mutterleib Schmerzen empfindet.

Jährlich werden in Deutschland über 100.000 Abtreibungen durchgeführt. "Wir Frauen wissen sehr gut, ob wir Mutter werden wollen oder nicht“ ist nur eines der vielen Argumenten, das man in diesem Zusammenhang zu hören bekommt. Die Gesellschaft beruhigt ihr Gewissen, indem Abtreibungen, die Tötungen ungeborener Kinder sind, Stück für Stück weiter vom gesellschaftlichen Diskurs ausgeschlossen werden, sie normaler gemacht werden und sie der leisen Stimme des Gewissens ausweichen. Ja es wird sogar gefordert, dass wir ein Recht darauf haben sollten abzutreiben, wenn das Kind uns stört. (Warum sollen dann Hühnerbauern kein Recht darauf haben die männlichen Küken zu schreddern, wenn sie ihre Wirtschaft schädigen?) Wird das Töten von Kindern im Mutterleib dadurch weniger schlimm? Oder könnte es die bessere Option sein, gemeinsam mit den Frauen Lösungen zu suchen, die ermöglichen, dass wir nicht Hühnern mehr Rechte zugestehen als unseren Kindern? Sind wir eine Gesellschaft, die Frauen verleitet, ihre Kinder umzubringen, weil wir suggerieren, Karriere, Unabhängigkeit, Status und das Geld seien wichtiger als ein Menschenleben?

"Die Stimme des Gewissens ist so leise, dass man sie nicht sofort hört. Aber sie ist laut genug, dass man sie nicht überhören kann" (Germaine de Stael)

Wäre es nicht schöner, wenn wir all unser Streben dem Ziel widmen würden, jedem Menschen in einer noch so schweren Situation das zur Welt kommen zu ermöglichen, so wie wir es auch bei den Hühnern schaffen wollen? Wäre das nicht zukunftsträchtiger, anstatt die Stimme unseres Gewissens mit immer mehr Lärm zu übertünchen bis wir eine Gesellschaft ohne Herz geworden sind?! 

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