Opferkulte - Tod für Leben

 

von Reinhild Rössler

Mit voyeuristischem Entsetzen blicken wir auf die großen Steinbauten der Azteken, von denen das Blut der Massenopferungen in Strömen geflossen ist. Barbarisch muten uns diese Kulte an, die Menschen opferten um Fruchtbarkeit für Volk und Land, Erfolg im Krieg, Wohlstand und gutes Wetter zu erlangen. Die steinernen Altäre des Wohlstands und Erfolgs sind heute nicht mehr aus Stein und es werden keine großen Feste gefeiert, wenn die Opferungen stattfinden. Heimlich, unbekannt, aber nie unbeweint werden Frauen und Kinder zu Schlachtopfern einer Kultur, die brutal das Leben danach aussortiert, ob es wert ist, gelebt zu werden. Die Kriterien dafür sind Gesundheit, Schönheit, Wohlstand, Selbstverwirklichung, Erfolg, Spaß und Lust. Diese starren Grenzpfeiler unserer Gesellschaft offenbaren sich uns jedoch nicht als von einer außenstehenden Institution angeordnet, sondern als individueller, frei gewählter persönlicher Lebenssinn.

Präferiert man jedoch andere Kriterien für das eigene Leben, oder gar objektive Kriterien für die Gesellschaft und weigert sich, diese Opfer zu bringen, dann droht einen das harte Beil der Sanktionierung dieser mit eiserner Hand regierenden Diktatur des egoistischen Glücks zu treffen. Wie aggressiv und subtil zugleich diese Diktatur in die intimsten Sphären des menschlichen Lebens einzudringen vermag, zeigt sich aktuell an dem Vorhaben, das Bewerben der Kinderopferungen zu erleichtern. „Sind Sie durch eine ungewollte Schwangerschaft in einer schwierigen Situation, die es Ihnen verhindert, ihre Pläne für ihre berufliche Zukunft zu erfüllen? Oder Ihre Ausbildung zu beenden? Oder Ihre schon lange geplante Traumreise endlich anzutreten? Wir können Ihnen helfen und organisieren Ihre Abtreibung diskret, hygienisch, persönlich und preisgünstig. Wir lösen ihr kleines Problem im Handumdrehen!“

Natürlich würde das bis jetzt noch keiner so schreiben. Natürlich geht es jetzt offiziell nicht darum, dass Abtreibungen als Dienstleistungen beworben werden, sondern um „Aufklärung und Information“. Aber Aufklärung sollte betrieben werden, bevor das Kind da ist, denn – und das ist schwer zu leugnen – wenn die Frau schwanger ist, ist das Kind da. (Sonst müsste man es ja nicht töten, oder wie gerne euphemisiert wird: „wegmachen“.) Aufklärung darüber, wie man verantwortungsvoll mit seiner Sexualität umgeht. Aufklärung darüber, dass Sex mit Fortpflanzung einhergeht und dass das nicht schlecht ist, sondern wunderbar. Aufklärung darüber, dass ein Kind immer Vater und Mutter hat und dass beide von Beginn an die gleiche Verantwortung für das Kind haben. Aufklärung darüber, dass Kinder nie ihren Eltern gehören, sondern vom Moment der Zeugung an, diesen nur anvertraut werden. Aufklärung auch darüber, dass behinderte Kinder genau so unglaubliche Wunder sind, wie gesunde Menschen. Aufklärung darüber, wie viele Paare sich verzweifelt ein Kind zur Adoption wünschen und es nicht bekommen können. Aufklärung darüber, dass es die Aufgabe der Gesellschaft sein sollte, Frauen in Konfliktsituationen in jeglicher Hinsicht zu unterstützen und zu begleiten. Aufklärung darüber, dass nichts - nicht das lustvollste, reichste, gesündeste, schönste Leben - ein Menschenopfer wert ist.
Verzweifelte Frauen und ihre unschuldigen Kinder sind die Opfer, die in den schrillen Farben der heimlichen Opferfeiern unserer Gesellschaft auf die sterilen Altäre geführt werden und Blut und Tränen fließen lassen für das fahle Trugbild einer glücklichen und freien Gesellschaft. Eine Gesellschaft die sich düngt, modern zu sein und doch zu den archaischsten aller Kulte zurückgekehrt ist.

Eine christliche Gesellschaft kennt keine Schlachtopfer, für Christen gibt es nur ein Opfer, das den Menschen frei gemacht hat. Das Opfer Christi , das Opfer, dass Gott für uns gebracht hat, ist der einzige Schlüssel zu Freiheit und Glück, nicht zu einem oberflächlichen Lusterfüllungsglück, sondern zu einem lebendigen, dankbaren Glück.

Eine christliche Gesellschaft sollte sich Gedanken darüber machen, wie sie dafür wirbt, dass jeder Einzelne seinen Beitrag dazu leistet, dass keine Frau den Weg zu ihrem Glück über die Leiche ihres Kindes sehen muss. Sie sollte werben: „Sind Sie durch eine ungewollte Schwangerschaft in einer ausweglosen Situation? Das sind sie nicht, sie stehen am Anfang eines neuen Lebens! Wenn Sie dieser Verantwortung nicht gewachsen sind, verzweifelt, ängstlich oder krank, wenden Sie sich an uns und wir werden Ihnen zeigen wie wir gemeinsam einen Weg für Sie beide finden.“ Lassen wir die barbarischen, heidnischen Sitten hinter und, bauen wir an einer modernen, freien Gesellschaft. Bauen wir gemeinsam an einer Gemeinschaft, in der das Leben gefeiert wird!

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