9 Thesen zur Katastrophe des Sexuellen Missbrauchs in der Kirche

 

Der Bericht über die Missbrauchsfälle in der Kirche in Deutschland erschüttert uns als junge, gläubige Katholiken tief. Für die Integrität, das Ansehen, aber vor allem die Zukunft der Kirche ist es unbedingt notwendig, dass sowohl die tieferliegenden Gründe dieser furchtbaren Entwicklung ehrlich und offen analysiert werden, als auch harte und einschneidenden Konsequenzen daraus gezogen werden. Wir haben 9 Thesen zu den Missbrauchsfällen formuliert. Es ist uns bewusst, dass gerade die Missbrauchsfälle auch innerhalb der Kirche spaltende Positionen hervorrufen. Gerade deshalb halten wir es für unabdingbar, dass die Kirche die Rettung nicht in oberflächlichen weltlichen Strukturreformen sucht, sondern in echter innerer Umkehr!

1. Die perversen Taten der Geistlichen an Kindern und jungen Erwachsenen wiegen fünffach schwer.

• Sie haben unschuldige Menschenleben zerstört,
• sie haben die Sexualität, die ein Geschenk Gottes an uns Menschen ist und uns die Möglichkeit gibt, mit ihm Mitschöpfer zu werden pervertiert, ausgebeutet und für ihr Opfer für immer zerstört
• sie haben das von Gott verliehene Sakrament der Priesterweihe geschändet und ihre geistliche Verantwortung über die Seelen ausgenutzt für ihre eigenen perversen Gelüste,
• sie haben das Versprechen des Zölibats, das sie bei ihrer Priesterweihe freiwillig gegeben haben gebrochen
• und sie haben der Heiligen Kirche, der Braut Christi und allen, die dazu gehören Reinheit, Schönheit und Wahrhaftigkeit gestohlen.

2. Um der Barmherzigkeit willen gegenüber den Opfern, aber auch den Tätern selbst gegenüber, müssen diese gerecht bestraft werden.
Gott wird die Täter in unendlicher Gerechtigkeit bestrafen. Gerade damit selbst diese Menschen umkehren können, Buße tun können und auf Gottes Barmherzigkeit hoffen können ist es notwendig, dass sie schon im Hier und Jetzt für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden. Mit einer strengen weltlichen Bestrafung muss die geistliche Begleitung der Täter einhergehen, die ihnen den Weg zur Umkehr und Reue ermöglicht. Die Hirten der Kirche müssen sich darum kümmern, dass den ihnen anvertrauten Seelen kein Schaden aus ihren Reihen geschehen kann und sie müssen alles dafür tun, dass jede Struktur, die solche Sünden ermöglicht von Grund auf zerstört wird. Durch eine echte Bestrafung der Sünder wird sie sowohl für die Opfer, als auch für die Täter zur Mittlerin der göttlichen Barmherzigkeit. Hierzu braucht es ein von der Kirchenstruktur unabhängiges Organ aus tiefgläubigen unabhängigen Laien und Geistlichen, das gute Instrumente zur Entdeckung von Straftätern hat und die Autorität zur angemessenen Bestrafung derselben.

3. Die Taten der Geistlichen dürfen nie aus Angst vor Skandalen vertuscht werden.
Wie oft auch in Familien, gibt es in der Kirche eine Angst, die Sünden der eigenen Brüder zu offenbaren. Dies geschieht meist aus einer falsch verstandenen Barmherzigkeit oder Angst vor dem öffentlichen Skandal. Obwohl sie offensichtlich Schreckliches getan haben, werden Priester und Bischöfe gedeckt. Weder ihnen, noch den Opfern ist dabei geholfen und über die Jahre entwickelt sich dabei ein furchtbares, immer mehr wachsendes Netzwerk der Krankheit und der Sünde. Auch wenn es weh tut, auch wenn es sicher schwierig ist, solche Taten dürfen niemals ignoriert, vertuscht und unbestraft bleiben. „Besser es gibt Skandale, als dass die Wahrheit zu kurz kommt“ (Hl. Gregor d. Gr.).

4. Der Missbrauchsskandal ist das furchtbare Symptom einer großen Glaubensleere unter Priestern und Bischöfen.
Das Ausmaß des Missbrauchs im Klerus zeugt von einer unermesslichen Glaubensleere und Gottesferne unter Priestern. Wer daran glaubt, den geopferten Leib Christi bei der Feier der Eucharistie in seinen Händen zu halten, kann nicht in der Lage sein, ihn mit dreckigen und blutigen Händen zu berühren. Mit dem offensichtlichen Glaubensmangel der Priester geht eine ausgeprägte Ausrichtung auf das Diesseits einher. Macht und Sex, sowie weltliche Anerkennung scheinen eine höhere Bedeutung zu haben, als rein und heilig vor Gott zu treten. Die Verdrängung der Dimension des gerechten Gerichts Gottes aus Predigt und Katechese, sowie die häufig bemerkbare vorrangige Ausrichtung der Kirche in Lehre und Liturgie auf den Menschen, anstatt auf Gott sind Gründe dieser fatalen Entwicklung.

5. Die Sexualmoral der Kirche muss offen und vollständig vermittelt und überzeugend gelebt werden.
Die Geistlichen, die Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben haben ein krankes und gestörtes Verhältnis zu ihrer eigenen Sexualität. In den Seminaren muss viel strenger darauf geachtet werden, dass nur Männer, die einen reifen, gesunden und moralisch reflektierten Umgang mit Sexualität haben, zum Priestertum zugelassen werden. Dazu ist es eine unbedingte Voraussetzung und auch eine Hilfestellung, wenn die Kirche offen, mutig und vollständig lehrt und verkündet, wozu die Sexualität da ist und wie sie so gelebt werden kann, dass sie dem Menschen hilft, zu Gott zu kommen. Das wurde in den letzten Jahrzehnten häufig unterlassen. Gerade in einer Zeit, deren Vorstellungen von Sexualität und Ehe der Lehre Christi entgegenstehen, ist es umso wichtiger ohne Angst und Scheu diese zu erklären und daran festzuhalten.
Der Zölibat ist eines der größten Opfer, die ein Mensch für Gott bringen kann. Gerade das Zeugnis der Priester, die diesen überzeugend leben ist daher für uns ein großes Geschenk und Vorbild im Glauben.

6. Die kirchliche Struktur funktioniert nur, wenn der Mächtige sich als Diener und Hirte versteht.
Das Spezifikum christlicher Leitung und absolute Notwendigkeit einer christlichen Gemeinde ist die Umkehrung des Verhältnisses von Dienst und Herrschaft. Wer ein geistliches Amt hat, hat immer auch Macht über andere, nämlich in Form von Verantwortung, je höher, desto mehr. Wenn er diese Macht nicht als Dienst versteht, sondern als Verfügungsgewalt über andere, pervertiert die göttliche Struktur der Kirche. Jede Seele, die einem Priester anvertraut ist, jeder Christ in seiner Gemeinde, in seinem Bistum der durch ihn von Gott entfernt wird, wird ihm beim letzten Gericht angerechnet, ebenso wie jede Seele, die er durch treuen Dienst zu Gott bringt. Die Verantwortung ist unermesslich, sie kann nur durch die Gnade der Priesterweihe und den Willen zu dienen, nicht zu herrschen erfüllt werden. Gerade die Missstände unter den Priestern zeigen, dass wir keine Bischöfe brauchen, die zuerst Manager oder Administratoren sind – sowohl Priester, als auch Laien brauchen Bischöfe, die in erster Linie Seelsorger und Hirten sind.

7. Es gibt keine Unbeteiligten – wir sind selbst die Kirche und können sie durch unser Leben heiligen.
Unsere Aufgabe als Laien liegt zu allererst in unserem eigenen Streben nach persönlicher Heiligkeit. Gerade in dieser Zeit muss es unser erster Wille und unsere ganze Bemühung sein, das zu erreichen, was wir bei so vielen vermissen. Die Liebe zu Gott, zu seinen Geboten und zu den Menschen. Auch können wir beim Wiederaufbau der Kirche helfen, indem wir Buße tun für die Täter und beten für die Opfer. Es ist kein leeres Gerede, sondern aktive Mithilfe. Wenn wir uns um Heiligkeit in uns selbst, in unseren Familien und unseren Gemeinden bemühen, ist eine Festigung der Kirche wieder möglich. Gerade dazu brauchen wir die treuen Priester, die als echte Diener Gottes ihren Dienst tun in einer Zeit, die unglaublich viel Enttäuschung, Schmach und Leid gerade für sie bereithält.

8. Der Teufel existiert
Der Teufel existiert. Während er sich in den letzten Jahrzehnten erfolgreich versteckt hielt und uns hat glauben machen, dass er nicht existiere, während er unbemerkt im Verborgenen sein Unwesen trieb, zeigt er sich heute in seiner ganzen Hässlichkeit und lacht triumphierend über die verkrüppelt erscheinende Braut Christi, die er von innen zerfressen hat. Dieses offene Auftreten ist unsere Chance zu sehen, was er zerstört hat und mit dem Wiederaufbau zu beginnen.

9. Christus leidet mit. So wie er lebt, wird auch die Kirche leben!
Christus ist Sieger. Bei all dem, was wir in den letzten Wochen, Monaten und Jahren erfahren mussten und was uns immer schmerzlicher offenbar wird, zeigt sich das Kreuz, dass Christus in Golgota tragen musste. Es zeigt sich in seiner ganzen Wucht und Härte. Jedes verzweifelte Kind, das missbraucht wurde, jeder enttäuschte Gläubige, der zu zweifeln beginnt, jeder treue und gute Priester, der zu Unrecht als Kinderschänder beschimpft wird, mit all diesen Opfern leidet Christus mit und sie alle tragen sein Kreuz mit. Und sie alle werden mit ihm auferstehen und ihn in seinem ganzen Glanz, seiner ganzen Stärke, seiner ganzen Schönheit erkennen. Auch wenn es so aussieht, als wäre die Kirche am Ende. Christus vergisst seine Braut nicht, er liebt sie, er rettet sie. Er hat schon gesiegt!

Impressum © 2006-2018  Pontifex - Die Initiative der Generation Benedikt