Tu es Petrus – warum wir papstreu sind und was das (auch heute) bedeutet

 

Von Thomas Kieslinger

Der Name unseres Netzwerks ist „Pontifex“. Bis 2013 hießen wir „Generation Benedikt“. Wir waren und sind die Generation, die durch Papst Benedikt XVI. geprägt wurde und viele von uns verdanken ihm Großes. Als er vom Papstamt zurückgetreten ist, haben wir uns entschieden, unserer Initiative den Namen „Pontifex“ zu geben. Aus zwei Gründen haben wir diesen Namen gewählt: zum einen, weil wir wie der „Pontifex“ „Brückenbauer“ sein wollen – also Brücken bauen von der Kirche zu den Menschen und zu bzw. durch die Medien. Zum anderen, weil wir, wie schon mit „Generation Benedikt“ damit ausdrücken wollen, dass wir papsttreu sind. Dieses Etikett war damals ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal in der deutschen Öffentlichkeit. Offensichtlich hat sich da etwas getan: heute ist es manchmal schwierig zu sagen, wer oder was überhaupt „papstreu“ ist – und was dies überhaupt bedeutet?

14. November 2016: „Die vielgenannten Dubia vier bekannter Kardinäle gehen viral. 25.September 2017 die scheinbar seit dem 14. Jahrhundert nicht mehr angewandte Correctio filialis wird online gestellt und ihre Vertreter fordern eine „Zurechtweisung wegen der Verbreitung von Häresien“
16.Oktober 2017 die Initiative Pro Pope Francis wird ins Leben gerufen; die Unterzeichner bekräftigen, dass sie dem Heiligen Vater für seine „mutige und theologisch wohl begründete Amtsführung dankbar sind.“ Am 25.11.2017 veröffentlichte das ZdK seinen „Bericht zur Lage“ und auch darin finden sich Anklänge, welche unmittelbaren Bezug zu Papst und Papsttum finden: „Entgegen allen Etikettierungen […], waren wir immer papsttreu.“ (...wie war das noch damals z.B. bei Donum Vitae?)
Was ist es, das uns in dieser Zeit so aufwühlt und nach Rom blicken lässt, mit einer Spannung wie es sie wahrscheinlich seit der Zeit des Tridentinums nicht mehr gegeben hat? Warum wird so viel vom Papst gesprochen? Seit wann interessiert sich eine breite Masse für jeden Nebensatz des Heiligen Vaters? Zweifelsohne, Papst Franziskus zieht geschickt das Licht der medialen Welt auf sich. Diese Aufmerksamkeit schlägt sich nun in allerlei Initiativen, Aktionen, Spekulationen und Korrekturen nieder. … Und stets findet sich das kleine aber feine Wort „Papsttreue“. Und zwar egal wer da kommentiert, unterstützt oder korrigiert.

Warum sich also an diesem Wort aufhängen? Wenn man so will ist „Treue“ doch Bestandteil jeglicher festen Beziehung. Eheleute schwören sich die Treue zu halten, bis dass der Tod sie scheidet; das Wort „Verfassungstreue“ wird heutzutage mittlerweile in jeder Stammtischdiskussion angeführt und die Fantastischen 4 versichern uns bereits 2014, dass sie troy bleiben. Wie läuft das also ab mit der Treue im Allgemeinen? Treu sein können sich Individuen untereinander oder gegenüber Gruppen, genauso, wie Gruppen sich gegenseitige Treue schwören können. Sie drückt die Verlässlichkeit eines Akteurs gegenüber einer Sache, einer Person, einer Gruppe, einem System usw. aus. Natürlich kann diese Treue auch verhängnisvoll enden… Gunther, Gernot und Giselher können ein Lied davon singen.
Die Frage nach der Treue zum Papst ist aber weitaus diffiziler und bricht nicht erst mit Dubia, Initiativen und Korrekturen auf. Sie führt nämlich unweigerlich zu der Frage: „Wer oder was ist der Papst?“.

Fest steht, dass der Papst, als Bischof von Rom das Oberhaupt der Katholischen Kirche ist. Ausgehend von Matthäus 16,18 „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.“ formulierten römische Bischöfe, wie Anastasius I. (399-404) Innozenz I. (402-417) oder Leo I. der Große (440-461) den Anspruch die Nachfolger Petri zu sein in besonderem Maße. Im Laufe der Geschichte entwickelte sich daraus, die Vorrangstellung des römischen Episkopates gegenüber anderen Bischöfen, Patriarchen usw. Besonders Petrus also, der in verschiedenen Bibelpassagen eine bevorzugte Stellung innerhalb der Apostel genießt ist der herausragende Apostelfürst, dem nach katholischem Verständnis die Binde- und Lösegewalt zufällt.

schluesseluebergabe

Soweit so gut. Die Apostel waren Petrus treu, genauso wie die Urgemeinden Paulus, dem zweiten Schutzpatron des Papsttums treu ergeben waren. Doch selbst Heilige müssen irgendwann sterben. Wohin also mit der Treue, wenn die Person diese Welt verlassen hat? Und genau hier setzt die Papsttreue ein. Der Papst ist nämlich nicht nur dieser eine Petrus, dieser eine Anastasius, dieser eine Gregor, oder dieser eine Franziskus. Nein, der Papst ist viel mehr. Er ist nicht 40 oder 50, 60 oder 70 Jahre alt. Er ist 2000 Jahre alt! Der Papst ist immer eine Person, der Nachfolger Petri und der Stellvertreter Christi auf Erden. Der Inhaber des Petrusamtes ist die Person, doch das Amt ist das Amt. Und das Amt ist an die Person gebunden, wie auch die Person an das Amt gebunden ist. Gemäß dem CIC lebt im Papst als Bischof von Rom also das von Jesus Christus an Simon Petrus übertragene Amt fort.

Da wir treu zu Christus sind, müssen wir als Katholiken auch seinem Stellvertreter auf Erden gehorsam sein. „Papisten“ nannte man die Katholiken zur Zeit des Kulturkampfes, da ihnen vorgeworfen wurde, die Stimme aus Rom höher zu stellen, als die ihres sogenannten Kaisers oder Kanzlers. Ein Kadavergehorsam wurde den Katholiken attestiert, der sie unfähig mache frei zu entscheiden. Und genau hier, geht die Interpretation von Treue, wie man sie aus Politik und Gesellschaft kennt in eine völlig andere Richtung, als die Treue zum Papsttum. Denn in erster Linie sind wir nicht der Person des Papstes treu, sondern dem Amt, das der Sohn Gottes an den ersten der Stellvertreter Christi übertragen hat. Diese Treue beinhaltet ja bereits die größte Freiheit, die es gibt, da wir einzig und allein in Christus wahrhaft frei sein können.

Die Art der Treue ist also eine gesunde Treue, eine Treue Christus gegenüber – versinnbildlicht in seinem Stellvertreter auf Erden. In unserem heutigen Fall Franziskus. Wie schwer mag da einem aber die Treue fallen, wenn er sich mit der aktuellen Politik des Papstes nicht anfreunden kann? Und gerade dieser Umstand ist nicht neu. Wir brauchen nicht zu glauben, dass mit der Correctio, den Dubia oder der Initiative Pro pope Francis etwas passiert, das einzigartig oder erstartig wäre. Dennoch ist es verständlich, dass sich viele in ihrer Papsttreue herausgefordert sehen. Sei es nun die Angst vor einer Verfälschung der Lehre (Gegenwärtig die Hin- und Herinterpretation von Amoris Laetitia oder in der Vergangenheit die Aussagen Papst Bonifaz VIII. zur Unsterblichkeit der Seele) oder seien es einfach Taten und Gesten, die einen nur noch den Kopf schütteln lassen und gar nicht einmal so viel mit der Religion an sich zu tun haben (Gegenwärtig Papst Franziskus‘ Lob für den Kommunismus oder in der Vergangenheit die Leichensynode des Formosus). Ja, den papsttreuen Katholiken sind diese Herausforderungen nicht neu. Doch genau, das ist doch das Wunderbare an der Treue zum Papsttum: Es ist eben nicht dieser Kadavergehorsam. Es ist eine Treue die lebendig wird in der Liebe des Gottessohns. Die Kirche ist Sein mystischer Leib, Er aber ist das Haupt, versinnbildlicht hier auf Erden in der unvollkommenen aber auf dem Weg zum Heil befindlichen Kirche durch den Papst.


romaAber warum scheinen dann große Teile der katholischen Welt entmutigt und zornig auf das Schalten und Walten des Heiligen Vaters zu sein? Habt ihr denn keinen Glauben? (Mak, 4, 40). Wir glauben an das Amt des Papstes und seine Legitimität. Diese kann sich unter Umständen oft erst Jahre nach dem Pontifikat zeigen (#JohannesXXIII.). Was wir aber nicht tun, ist an den Papst zu glauben. Zumindest nicht so, wie wir an Gott glauben. Und darin liegt die schwierigste Aufgabe die uns als gelehrten und ungelehrten Laien in Bezug auf das Papsttum vielleicht aufgetragen wurde: An Gott zu glauben und ihm zu vertrauen, dass er seine Kirche so führt, wie Er es für wahr und gerecht hält. Und das kann weh tun. Das kann anstrengend und herausfordernd sein.

Ein Beispiel: In einer Zeit, in der das Papsttum in einer schweren Krise steckte und sich eine ganze Reihe der Stellvertreter in Avignon aufhielten, hat eine heilige Frau ein eindrucksvolles Zeugnis für Papsttreue gegeben. Die Heilige Katharina von Siena schreibt dem damaligen Papst Gregor XI. Briefe die es in sich haben. Briefe voller Kritik und Tadel. Sie schimpft sogar mit ihm, welch großen Schaden sein Handeln bereits an der Kirche angerichtet habe. Doch bekräftigt sie bei all ihrer Kritik an Papst Gregor „Und selbst wenn der Papst ein fleischgewordener Teufel wäre, statt eines gütigen Vaters, so müssten wir ihm dennoch gehorchen, nicht seiner Person wegen, sondern Gottes wegen. Denn Christus will, dass wir seinem Stellvertreter gehorchen.“ Katharina zeigt uns in heiligem Eifer und heiligem Gehorsam diese große Demut, an der wir uns alle orientieren können. Und vor allem zeigt sie uns unendliches Gottvertrauen. Der Papst sitzt in Avignon, in Italien geht die Post ab, überall schießen häretische Strömungen aus dem Boden, doch Katharina findet den richtigen Weg: Beten, Schimpfen, Gehorchen! Und wieder triumphierte die Kirche.

Die triumphierende Kirche also ist immer mit Christus und wie schon der Heilige Ambrosius bekräftigte ist dort wo „Petrus ist, (…) die Kirche; wo die Kirche ist, dort gibt es keinen Tod, nur ewiges Leben.“ Kirche und Papst sind demnach immer verbunden. Es gibt keinen Papst ohne Kirche und Kirche gibt es nur eine einzige: die Eine Heilige Römische Katholische und Apostolische Kirche. Mögen sich in ihrer wechselvollen Geschichte Stellvertreter immer wieder verirren und sie zum schwanken bringen, so war, ist und bleibt sie doch der mystische Leib Christi, der nicht in Gefahr geraten kann. Der Papst hat die Binde- und Lösegwalt über ihre Pforten, und die Kräfte der Hölle werden sie nicht überwinden! Niemals! Denn wir sind eine Kirche eine Gemeinschaft aus Heiligen und Sündern. Ja Sünder! Denn Jesus sagt: „Du bist Petrus und auf diesen Fels werde ich meine Kirche erbauen“ und nicht „Du bist Petrus und keiner deiner Nachfolger wird jemals sündigen!“. Vertrauen wir also! Vertrauen wir, schimpfen wir (wobei gerade beim Thema „Schimpfen“ eine zweite große Heilige, die Spanierin Teresa von Ávila zitiert werden sollte „Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Themaetwas sagen zu müssen.“) und beten wir. Ja! Vor allem sollen wir beten! Für die Kirche, für uns aber auch für unseren Heiligen Vater Franziskus. Dass Gott der Allmächtige, dessen Wille immer geschehe, den Heiligen Vater dort hinstelle, wo Er ihn haben will. Denn eins steht fest: Wenn Gott in die eine oder andere Richtung eingreift, dann „korrigiert“ er nicht, dann straft er und dann ist er auch nicht „pro xy“ sondern voller unergründbarer Liebe. Und diese Entscheidung überlassen wir Ihm, der allein die Seelen der Menschen kennt.

 

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