Kampf der Geschlechter - warum die Sexismus-Debatte verlogen ist

 

Von Reinhild Rössler 

Eine beleidigte Staatssekretärin und Dutzende Frauen, die sexuelle Übergriffe eines perversen Filmproduzenten offenlegen. Beide Ereignisse bringen derzeit die Gemüter zum Kochen und Diskussionen in Gang. Natürlich geht es um völlig unterschiedliche Dinge, auf der einen Seite um die Frage, wie man mit Frauen im beruflichen Umfeld richtig umgeht, und auf der anderen Seite um Verbrechen gegen die Würde der Frauen wie sie widerlicher nicht sein könnten.

Beide Debatten beruhen jedoch auf demselben Problem. Dass der spezifische Wert der Frauen vergessen zu sein scheint und der richtige Umgang mit Frauen, gerade im beruflichen Umfeld, eine seltsame Seltenheit geworden ist.

Natürlich sehen nicht alle Männer Frauen allein als Sexobjekte an (schon gar nicht in so böser und schädigender Weise wir ein Harvey Weinstein). Natürlich gibt es von vielen das Bemühen, Frauen gleich wie Männer zu behandeln (und das scheint heute das Beste, was Frau passieren kann). Natürlich gibt es Frauen, die sicher glücklich und zufrieden sind mit dem Umgang mit ihnen. Aber es ist selten, ja.

Das ist alles richtig und es bringt absolut nichts, zu meinen, Seximus wäre eine Erfindung übersensibler Frauen, denn ja, es gibt Benachteiligungen aufgrund des Geschlechtes (übrigens gegenüber beiden Geschlechtern, aber das wäre ein anderes Thema). Wenn es aber einen echten Kampf gegen den Sexismus geben soll, dann sollte man zuerst danach fragen, wo dieses Problem herkommt und dann, wie es zu lösen ist.
Und genau darin liegt die Verlogenheit der Debatte. Nach Jahrzehnten der „sexuellen Befreiung“, steht die Frau nun vor dem Problem, sich dabei auch von ihrem spezifischen Wert befreit zu haben.

Sexuelle Befreiung also – das heißt, Frau bekommt die Pille, das heißt, Frau darf, falls doch mal eine Schwangerschaft „passiert“, ihr Kind abtreiben, das heißt, Frau darf auch ohne Ehering Sex haben so viel und mit wem sie will. Dass dies ziemlich simple Scheinfreiheiten sind, ist so offensichtlich und doch so unmöglich zu sehen. Es sind des Kaisers neue Kleider.

Denn muss man als Frau durch die Hormone, die man täglich in sich hineinpumpt nicht seinen natürlichen Zyklus, sein natürliches Wesen zerstören, um immer verfügbar zu sein für Sex „ohne Konsequenzen“? Ist es nicht, so, dass die Frau mit ihrem ungeborenen Kind auch einen Teil ihres Herzens herausreißen muss, wenn sie es abtreiben muss, weil der Mann keine Verantwortung übernimmt, ihre Karriere als wichtiger erachtet wird oder die Gesellschaft sie nicht unterstützt? Ist es nicht so, dass die Frau, wenn sie ohne jede Sicherheit, ohne jedes Versprechen für Männer verfügbar ist, ihren Wert selbst auf ihren Körper als Sexobjekt reduziert?

Sind wir Frauen wirklich frei, weil uns erzählt wird, dass wir denselben Sexualtrieb haben wie Männer, der nur dazu da ist regelmäßig befriedigt zu werden? Und alle Argumente, die unser Körper dagegen vorbringt, werden durch medizinische Eingriffe zum Verstummen gebracht? Ist es nicht verlogen, das als Befreiung der Frau zu verkaufen, was eigentlich eine Befreiung des Mannes ist? Welcher auch nur einigermaßen attraktive Mann muss heute noch in ein Bordell gehen, wenn er abends im Club mit den richtigen Sprüchen sowieso eine Frau findet, die für einen Drink mit ihm mitkommt, um ein bisschen Anerkennung zu erhalten?
Wie frei ist dagegen eine Frau, die ohne künstliche Hormone lebt, die sich über die Frage einer Abtreibung nie Gedanken machen muss, die den Wert ihres Körpers so hoch schätzt, dass sie ihn nur gegen das Versprechen eines ganzen treuen Lebens teilt? Eine Frau, die ihren Wert nicht durch ihre Leistung oder Attraktivität von ihren wechselnden Geschlechtspartner messen lässt? Eine Frau, die ihren Körper nicht als Instrument der Befriedigung ihrer Lust (und der anderer) sieht, sondern als einen untrennbaren Teil ihrer individuellen Persönlichkeit, der nur im Ganzen mit allen Seiten, Stärken und Schwächen geschenkt und genossen werden kann.

Eine Frau hat ihren Wert nicht durch ihre schönen Beine, ihre wohlgeformten Brüste oder ihre langen Haare. Eine Frau hat einen besonderen Wert, eine besondere Aufmerksamkeit und eine besondere Achtung verdient, einfach weil sie eine Frau ist. Weil sie zum schwachen und schönen Geschlecht gehört. Weil sie der Schlüssel dazu ist, dass das Leben weitergehen kann. Einfach, weil sie eine Frau ist.
Wir können uns als Frauen unseres spezifischen Wertes bewusst sein. Wir sollten diesen Wert nicht zu niedrig einschätzen und wir sollten diesen Wert von anderen einfordern. Das ermöglicht es uns nicht nur selbstbewusste, starke und freie Frauen zu sein, sondern wir geben den Männern damit auch die Chance, selbstbewusste, starke und freie Männer zu sein.

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