Leben im Heiligen Geist

 

Was feiern wir an Pfingsten? Was bedeutete das, was damals geschah heute für uns? Wie können wir den "Heiligen Geist" in unser Leben mit einbeziehen?
Zum Pfingstfest ein paar Gedanken von unserer Sprecherin Ursula Harter.
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„Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich Euch“

Ich finde das Pfingstfest jedes Jahr wieder wunderbar aus einem ganz bestimmten Grund: Wir feiern, dass Gott im Heiligen Geist in unsere Welt eintritt und mit uns diese Welt verändern will. Die Zusammenarbeit von Gott mit uns Menschen ist nun so intensiv und eng geworden, dass es mehr nicht gehen würde. Es ist kein Gegeneinander vom Schöpfer und seinen Geschöpfen mehr. Es ist auch kein Dienstverhältnis, dass wir als Gottes Bedienstete seine Befehle ausführen müssten. Nein, nach der Sendung Jesu arbeiten wir als „Freunde“ – der Geist Gottes kommt auf die Erde um unser Partner für das „Welterlösunggsprogramm“ zu sein. Es ist nicht so, dass Jesus kommt, sagt: „So und nun macht ihr bitteschön alles, was ich Euch gesagt und vorgelebt habe, damit verändert die ganze Welt und wehe wenn nicht, ich bin extra Mensch geworden, also auf geht’s“ und dann geht er auf Wiedersehen beim Jüngsten Gericht. Nein er sagt:
„Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich Euch. Empfangt den Heiligen Geist.“ ( Joh 20,21-22)
Also so, wie der Vater und der Sohn eins sind (vgl. Joh 10.30) so sind wir mit dem Heiligen Geist eins. Jesus sendet uns den Heiligen Geist, damit wir gemeinsam mit Gott arbeiten können. Wir sind Partner auf einer Ebene in unserer gemeinsamen Mission.


Unser Ziel:
Jedes einzelne Menschenleben in das Leben des trinitarischen Gottes hineinzuziehen. Denn das ist das Geschenk des Geistes aus dem Leben, Leiden und Auferstehen Jesu heraus: In Gott leben zu können. Anteil an der Liebe zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist zu haben.
Gott will uns also in sein Leben hineinziehen. Er möchte, dass Du ein Teil seines Lebens wirst, dass Du ganz in ihn eintauchen kannst. Er will, dass Du bist, wie er: Heilig – das heißt vollkommen, ganz, heil, schön ohne auch nur einen einzigen Makel.


Unser Vorgehen:
Das Ziel klingt jetzt nicht nur abgehoben, das ist es auch (ist ja auch göttlich)! Und wie bitte sollte das jemand erreichen? Kann man ein so vorbildliches und tugendhaftes Leben führen, dass man so heilig wird wie Gott? Nein, das kann man nicht, gar nicht, auf gar keinen Fall. Also wird uns ein Ziel gesteckt das wir niemals erreichen können? Oder ist Gott einfach nicht sooo toll, dass er unerreichbar für uns wäre? Und was heißt das ganze konkret?


Stufe 1: Das Geschenk
Am Anfang unseres Lebens mit unserem Gott steht nicht nur eine abstrakte Erkenntnis seiner Größe oder die Begeisterung für seine Botschaft oder seinen Auftrag – nein, wenn unser Leben so richtig mit Gott beginnt steht da ein Geschenk aus „Wasser und Geist“: Das Geschenk, dass der unerreichbare Gott dein Vater sein will, das Geschenk, dass Christus deine Fehler und Unvollkommenheiten reinwäscht und das Geschenk, dass der Geist das alles jetzt und genau jetzt wirkt, als der Priester deinen Kopf salbt, mit Wasser begießt und sagt: „Ich taufe Dich im Namen des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Das erste Geschenk, dass Gott dir bereitet, ist, dass Du nun heilig bist. Heilig, ganz und gar, wie er.; dass Du in das Leben seiner Dreieinigkeit mit hineingezogen wirst, dass Du in ihm lebst.
Die Arbeit des Heiligen Geistes in der Welterlösungsmission besteht also im Geschenke verteilen. Das Gesamtpaket ist die völlige Heiligmachung jedes einzelnen Menschen, das in vielen verschiedenen Teilgeschenken verteilt wird: in den Sakramenten, in der Offenbarung durch die Schrift und im Fortbestand der Kirche.
Halten wir also fest: Mit dem Wirken des Heiligen Geistes ist die ganze Welt geheiligt. Das Reich Gottes ist schon da. Der Kampf ist gewonnen, der Tod und die Sünde sind besiegt (vgl. Joh 16,33) und zwar nicht indem der Geist Systeme stürzt oder uns perfekte Ideologien diktiert. Nein, indem er jeden Einzelnen in das Leben Gott hineinzieht, ihm Anteil an der Heiligkeit des Herrn gibt.
Problem: Jeder wird mir zustimmen, dass das nicht unserer erfahrenen Wirklichkeit entspricht. Im Gegenteil ist hier oft weit und breit nichts von einer heiligen, erlösten Welt zu sehen und den Anschein von einem Sieg des Guten trägt die politische, religiöse und persönliche Lage nun auch nicht gerade. Außerdem haben wir ja zu Anfang festgestellt, dass der Geist unser Partner ist, nicht unser Befehlshaber, und dass er keinen Alleingang macht, sondern uns braucht und damit kommen wir zum zweiten Schritt.


Stufe 2: Annehmen und Auspacken
Geschenke erfüllen nur dann ihren Sinn wenn sie ausgepackt, angenommen und benutzt, das heißt irgendwie in das Leben miteinbezogen werden. So banal das wirkt: Genau das gilt auch für das Geschenk des Geistes. Das Geschenk, dass Du, dass wir alle in Gott leben können, dass du heilig und vollkommen bist, ist da. Du musst es nur annehmen, auspacken und dein Leben davon verändern lassen. Und wie tolle Geschenke immer Kreise ziehen: Wenn man von außen sieht, welches Geschenk dich erfüllt und aus was du lebst, dann kommen andere und wünschen sich es auch.
Deine Aufgabe in der großen Mission des Heiligen Geistes: Lass diese Wirklichkeit, in die dich der Geist stellt, nach außen dringen, lass die Heiligkeit zu und lass dein eigenes Ich-will-mich-heilig (oder perfekt/schön/klug …)-machen los zugunsten einer Dir völlig fremden Vollkommenheit, die das was Du aus eigener Kraft kannst, völlig übersteigt. Lerne (immer mehr) Gott kennen, um zu lernen, was „heilig“ wirklich ist.
Du willst ein Leben im Heiligen Geist führen? Du tust es schon seit deiner Taufe. Doch wieviel ist davon schon nach außen gedrungen?

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